
Mit satellitengesteuertem Ackerschlepper werden die Rebstöcke im neuen Groß-Umstädter
Wingert oberhalb des Pferdsbachtals bei Heubach gepflanzt. Insgesamt sind Umstädter
Winzern 20 Hektar Erweiterungsfläche genehmigt worden.
Foto: Klaus Holdefehr
Das vergangene Jahr war kein gutes Jahr für die Winzer der Odenwälder Weininsel. Das gilt weniger für die Qualität als für die
Quantität. Da die Umstädter Weine längst einen vielfach prämierten Ruf haben, tut sich damit ein Problem auf, das schon seit
längerem prophezeit worden ist: Es wird schwer, die gewachsene Nachfrage zu befriedigen. Schon länger wird daher eine
Ausdehnung der Anbauflächen propagiert.
Überraschend ist jetzt bekannt geworden, dass vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz schon im Dezember 2010 eine Erweiterung um 20 Hektar genehmigt worden ist. In einen neuen Wingert
oberhalb des Pferdsbachtals bei Heubach pflanzte der Regierungspräsident Johannes Baron jetzt symbolisch einen kleinen
Rebstock.
Den Rest erledigte an diesem Dienstag ein High-Tech-Ackerschlepper mit drei Mann Besatzung, mit dem die Rebstöcke
satellitengenau in schnurgerade Reihen und genau gleiche Abstände platziert wurden. Bewirtschaftet wird dieser neue Wingert von
den Winzergenossen Ernst Ludwig Eidmann und Walter Schütz, angebaut wird unter anderem Riesling und Grauburgunder.
"Einen großen Schritt voran" nannte Philipp Weber, Vorsitzender der Winzergenossenschaft, die Flächenerweiterung. Derzeit
werden von den 150 Genossen 50 Hektar bewirtschaftet, dazu kommen 15 Hektar der selbst vermarktenden Winzer. Eine
Erweiterung um 20 Hektar bedeute vor diesem Hintergrund eine Steigerung um 30 Prozent, die allerdings nicht mit einem Mal,
sondern nur schrittweise umgesetzt werden könne, da für manche der landwirtschaftlich genutzten Flächen noch langfristige
Pachtverträge bestünden. Zunächst einmal stünden für dieses Jahr sieben Hektar auf dem Programm.
Außerdem benötige man zu den genehmigten Flächen auch noch Pflanzrechte und verhandele darüber derzeit mit dem großen
Partner im Weinbaugebiet Hessische Bergstraße.
Mit der Genehmigung wächst nicht nur die Anbaufläche auf dem Stachelberg bei Klein-Umstadt um 5,5 Hektar. Auch die Groß-
Umstädter Stadtteile Heubach und Kleestadt werden wieder zu Weinbauorten. Dass bei Heubach schon mal Reben kultiviert
worden sind, zeigt unter anderem der Straßenname "Am Wingertsberg". Doch die neuen Wingerte mit einer Fläche von 10,6
Hektar liegen eher im Gewann "Kehrmich", unterhalb der Kissinger-Wünzer-Hütte, aber auch "Am Raibacher Weg" und "Auf
dem Ockert". In Kleestadt schließlich ist es "Der Groschling" oder "Die Meieräcker" und "An der Rosenhohl" im Südosten des
Dorfs, mit 4,4 Hektar – was zusammen sogar etwas mehr als 20 Hektar macht.
Die ersten nennenswerten Erträge an weißem "Heubacher" erwarten Eidmann und Schütz in drei Jahren.
echo-online.de